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idealität

Die Idealität eines Systems oder Produktes ist der Koeffizient aus Nutzen und Aufwand. Der Aufwand ist die Summe aus Kosten und Schäden. Um den negativ besetzten Begriff "Schaden" zu vermeiden, wird meistens von dem sogenannten "Seiten-Effekt" gesprochen, weil mit Schaden nicht unbedingt eine Schädigung im destruktiven Sinn gemeint ist, sondern genauso unerwünschte Nebeneffekte beschrieben werden. Weiterhin stellte Altschuller fest, daß sich die Idealität mit dem Fortschreiten des Entwicklungsstadiums eines Systems erhöht

Zum erreichen der Idealität sind (gedanklich) sechs Schritte sehr hilfreich:

1. Eliminiere/verändere unterstützende Funktionen

Innerhalb von Konzepten unterscheidet man Haupt- und Nebenfunktionen. Nebenfunktionen (= Hilfsfunktionen oder unterstützende Funktionen) tragen gewöhnlich nur mittelbar zur zentralen Funktion (Hauptfunktion) eines Systems bei. Oftmals lassen sich daher die unterstützenden Funktionen mit den ihnen zugeordneten Bauteilen eliminieren, ohne daß die Hauptfunktion beeinträchtigt wird.

Beispiel: Lösungsmittelfreies Lackieren

Beim herkömmlichen Lackieren von Karosserieteilen werden gefährliche Lösungsmitteldämpfe freigesetzt. Bei einem neuen Verfahren nutzt man ein elektrostatisches Feld, um auf metallische Teile ein Pulver aufzutragen und dann mittels Wärmeeinwirkung das Pulver zu schmelzen. Dieses Pulverlackieren erzeugt somit einen lösungsmittelfreien Lacküberzug.

2. Eliminiere Teile

Teile eines Systems lassen sich oftmals eliminieren, wenn deren Funktion auf verfügbare Ressourcen (natürliche Effekte, andere Bauteile, Bestandteile des Supersystems...) übertragen wird. Ressourcen sind in diesem Sinne: stoffliche Ressourcen, funktionale Ressourcen, Felder, Raum, Zeiten und Informationen.

3. Erkenne Elbsttätigkeitspotential

Systeme sollten auf nutzbare Möglichkeiten zur Selbstversorgung oder Selbstregelung untersucht werden. Unter diesem Blickwinkel ist Ausschau zu halten nach Funktionen, die synergetisch mit anderen Funktionen erfüllt werden können. Des weiteren ist zu analysieren, ob die zur Ausführung einer Hilfsfunktion notwendigen Mittel gleichfalls auch zur Ausführung der Hauptfunktion genutzt werden können.

Beispiel: Selbstversorgung des Systems

Kugelgelagerte Rotoren von Turbinen oder großen Elektromotoren sind sehr empfindlich gegen Stöße oder Vibrationen beim Transport. Damit sich die Kugeln unter derartigen Punktlasten nicht in die Laufringe eindrücken, müssen Schrittmotoren angebracht werden, die dafür sorgen, daß der Rotor sich immer langsam dreht. Unter dem Blickwinkel der Selbstversorgung ist zu überlegen, ob dieser große Aufwand nicht durch ein Effekt bewerkstelligt werden kann, der quasi umsonst zu haben ist. Tatsächlich kann man die benötigte Wirkung durch den Aufbau Pendel-Ratsche erzielen. Zu diesem Zweck wird auf der Rotorwelle ein Pendel zur Verstärkung der Rotation und eine Ratsche mit einseitiger Sperrfunktion aufgesetzt. Das Problem kann somit durch systemimmanente Selbstversorgung gelöst werden.

4. Ersetze Einteilteile, Baugruppen oder das System

Bei Systemen ist zu beachten, daß diese immer komplexer werden, bis sie kaum noch zu beherrschen sind. (Schon St. Exuperie ist zu der Erkenntnis gelangt: Technik entwickelt sich vom Einfachen zum Komplexen und dann wieder zum Einfachen hin.)


Ziel muß es somit sein, Teile zu reduzieren und Funktionen zu vereinfachen. Eine Reduzierung erreicht man durch Zusammenfassung von Teilen, Integration von Funktionen und Vereinfachung, in dem man möglichst auf physikalische, chemische oder elektrische Naturgesetzlichkeiten (Fliehkraft, Magnetismus etc.) zurückgreift.

5. Ändere das Funktionsprinzip

Systeme oder Prozesse lassen sich meist nur grundlegend vereinfachen, wenn das Funktionsprinzip verändert wird.

6. Nutze vorhandene Ressourcen

Dem Ziel Idealität und Wirtschaftlichkeit kommt man nahe, wenn bei einem System nichts mehr Externes zugefügt werden muß. Man sollte daher immer danach suchen, ob schon Vorhandenes durch Modifikation weitergenutzt werden kann.

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